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Pfeil (Geschoss)
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top
Ein Pfeil (von mittelhochdeutsch pfÄ«l, entlehnt aus lateinisch pÄ«lum âWurfspieĂ, Speerâ, aber grammatisch und semantisch beeinflusst von germanisch *flainaz âPfeil, WurfspieĂâcite-ref-1[1]) ist das Geschoss eines Bogens oder eines Blasrohres. Es handelt sich um eine Form der Fern- oder Distanzwaffe. Er besteht meist aus Pfeilspitze, einem zylindrischen Pfeilschaft und am anderen Ende Befiederung und Nocke zur Aufnahme der Bogensehne oder Wurfvorrichtung. Bogenpfeile sind seit der ausgehenden Altsteinzeit (Ahrensburger Kultur) als archĂ€ologische Funde bekannt. VorlĂ€ufer des Bogenpfeils waren dĂŒnne und lange Speere, die mit der Speerschleuder abgeworfen wurden. Die Geschosse der Armbrust bezeichnet man im Gegensatz dazu ĂŒblicherweise als Bolzen, wobei die langen Geschosse moderner Jagd- bzw. FeldarmbrĂŒste zunehmend auch als Pfeile bezeichnet werden. Heute werden Pfeile hauptsĂ€chlich im sportlichen BogenschieĂen und zur Bogenjagd eingesetzt.
Contents
âą Geschichte
âą Aufbau
âą Schaft
âą Spitze
âą Befiederung
âą Nock
âą Reibung
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geschichte
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Hauptartikel
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Bogen
Der Pfeil ist Àlter als der Bogen, da bereits bei der jungpalÀolithischen Speerschleuder das Prinzip der Beschleunigung durch ein technisches Hilfsmittel angewandt wurde. Der Bogen kann mit seinen Wurfarmen mehr Energie speichern und in kinetische Energie umsetzen als eine Schleuderbewegung des menschlichen Arms. Die Àltesten archÀologischen Funde von Pfeilen kommen aus dem Ahrensburger Tunneltal in Norddeutschland und wurden vor etwa 12.000 Jahren von den RentierjÀgern der Ahrensburger Kultur hergestellt.cite-ref-2[2] Einfache Holzbogen (sog. Selfbows) waren eine Erfindung des Magdaléniens. Die Herstellung des Bogens setzt entsprechende Holzressourcen voraus, wÀhrend Speerschleuder und entsprechende Wurfpfeile auch aus minderwertigem Holz hergestellt werden können. Bei den Aleuten existierten Bogen und Brettschleuder (spezielle Form der Speerschleuder) als Jagdwaffen bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts nebeneinander.
Pfeile wurden auch als Geschosse in Kampf und Krieg eingesetzt. Sie konnten mit einem Bogen abgeschossen oder mit einem Katapult geschleudert werden. Mitunter benutzte man â wie bei der Falarika â brennbares Material, um sie vor dem Schleudern anzuzĂŒnden und eine höhere Kampfwirkung zu erzielen.
Moderne Bogen verwenden zusĂ€tzliche Auflagen, den âoverdrawâ, um Pfeile verschieĂen zu können, die kĂŒrzer als die AuszugslĂ€nge des SchĂŒtzen sind. Ein leichterer Pfeil erreicht eine höhere Geschwindigkeit.
Auch das Geschoss eines Blasrohres wird Pfeil genannt, obwohl es wesentlich kleiner und leichter ist. Naturvölkern dient es als Giftpfeil meist der Jagd. Heutzutage wird das Blasrohr auch von TierĂ€rzten eingesetzt, um Tiere zu betĂ€uben oder ihnen Medikamente zu verabreichen. AuĂerdem werden Blasrohre weltweit als SportgerĂ€te benutzt. Gesundheitlich wurde die positive VergröĂerung des Lungenvolumens bei regelmĂ€Ăigem Training erkannt, weshalb der Blasrohrsport sogar therapeutisch eingesetzt wird. Blasrohre sind in Europa erst seit dem Mittelalter bekannt. Sie entwickelten sich prĂ€historisch in Ostasien, Nord-, SĂŒd- und Mittelamerika. Der Begriff Pfeil wurde auf ihre Geschosse ĂŒbertragen, im Englischen heiĂen diese darts und nicht arrows âBogenpfeileâ.
Aufbau
Der Pfeil ist prinzipiell ein gerader Stab, an dessen vorderem Ende eine Spitze und an dessen hinterem Ende Naturfedern oder Kunstfedern als Befiederung zur Stabilisierung angebracht sind. An hinterster Stelle befindet sich die Nocke, eine Einkerbung, die den Kontakt zur Bogensehne sicherstellt.
Schaft
Die Schaftform kann konisch (tapered), langgezogen fassförmig (barrel taper) oder zylindrisch sein (Standard). Wichtige Eigenschaft des Schaftes ist seine Biegesteifigkeit, sein Spine (siehe unten), der fĂŒr beste Flugeigenschaften und damit Treffsicherheit auf Bogen und SchĂŒtze abgestimmt sein muss. Idealerweise ist ein Pfeilschaft nur wenig lĂ€nger als der Auszug des SchĂŒtzen.
HolzschÀfte
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Hauptartikel
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SchĂ€ftung (Vor- und FrĂŒhgeschichte)
Das traditionelle Schaftmaterial ist Holz. Im europÀischen Neolithikum wurden Pfeile bevorzugt aus den Schösslingen des Wolligen Schneeballs gefertigt. PfeilschaftglÀtter aus Stein, Knochen oder Geweih verwendete man paarweise seit Ende der letzten Kaltzeit, auch aus Sandstein, wie in der mesolithische Ahrensburger Kultur (Buxtehude-Immenbeck), in der neolithischen Bandkeramik- und der Hinkelsteinkultur. Im Mittelalter war Esche ein beliebtes Schaftmaterial.
Heute wird vor allem Lawsons Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana, in Amerika Port Orford-Cedar, kurz auch nur âZederâ) oder Riesen-Lebensbaum (Thuja plicata, Western Red Cedar) verwendet. Aber auch FichtenschĂ€fte (leichter als Zeder) und KiefernschĂ€fte finden immer mehr AnhĂ€nger, da sie relativ leicht sind â heute verwendet man nicht mehr so hohe Zuggewichte â und aus heimischem Holz und preisgĂŒnstig produziert werden.
SchÀfte aus anderen Materialien
Moderne PfeilschĂ€fte werden aus Materialien wie Aluminium, Kohlenstofffaser oder Kombinationen aus beiden hergestellt. Die SchĂ€fte sind dĂŒnne Röhrchen, deren Biegesteifigkeit durch das Material, die Wanddicke und die Bauart bestimmt wird.
In Asien werden Pfeile auch aus Bambustrieben hergestellt (zum Beispiel das traditionelle Pfeilmaterial im KyĆ«dĆ oder der Beder auf Java). Die zuvor unregelmĂ€Ăig geformten, 2-jĂ€hrigen Halme des Pfeilbambus werden dazu in mehreren Schritten unter ErwĂ€rmen ĂŒber einem offenen Feuer gerichtet und mit Steinen geschliffen. Bei Bambuspfeilen werden an den Enden Fadenwicklungen angebracht, um ein Aufspalten des Schaftendes durch den eingesetzten Schaft der Pfeilspitze beim Schuss zu verhindern. Aufgrund des natĂŒrlichen Hohlraumes und seiner fĂŒr einen Naturstoff herausragenden Zugfestigkeit des Faserverbundes erreicht ein Bambusschaft insgesamt bei gleicher Masse höhere Festigkeitswerte als ein Vollholzschaft (Biegezugfestigkeit).
Ein typischer Pfeilschaft aus Bambus ist etwa 1â3 Zoll (8,5 mm) dick. Standarddicken sind 5â16âł (7,9 mm), 11â32âł (8,7 mm) und 23â64âł (9,1 mm).
Spine-Wert
Der sog. Spine-Wert, kurz Spine, ist eine MaĂzahl fĂŒr die Biegesteifigkeit des Pfeils und wird traditionell in englischen Pfund angegeben, und zwar so, dass der Wert in etwa der ZugstĂ€rke eines englischen Langbogens entspricht, fĂŒr den der Pfeil geeignet wĂ€re. Der ideale Spine-Wert hat fĂŒr jeden SchĂŒtzen zusĂ€tzlich eine individuelle Komponente. Die Anpassung des Spine an Bogen und SchĂŒtze ist besonders bei den traditionellen SchĂŒtzen wichtig, da die Sehne sich beim Schuss genau auf den Bogen zubewegt, der Pfeil sich aber um den Bogen herumwinden muss (Archerâs Paradox). Ein falscher Spine fĂŒhrt zu schlechten Flugeigenschaften, beispielsweise zu einem unruhigen Flug, einer Seitenabweichung von der geraden Flugbahn oder dem unerwĂŒnschten Anschlagen des Pfeilschafts an den Bogen â die Treffsicherheit leidet. Idealerweise sollten die Schwingungen des Pfeilschaftes nach einigen 10 Metern Flug gedĂ€mpft sein.
Ermittelt wird der Spine, indem man den Pfeil auf zwei StĂŒtzen mit definiertem Abstand auflegt und ein zugehöriges Gewicht in der Pfeilmitte anhĂ€ngt oder auflegt und die resultierende Durchbiegung an der Stelle der Belastung misst. Das Prinzip entspricht der experimentellen Ermittlung des Biegemoduls im 3-Punkt-Biegeversuch bei einem normierten StĂŒtzpunkabstand von ursprĂŒnglich 26 Zoll und einem mittigen Belastungsgewicht von ursprĂŒnglich 2 englischen Pfund (lbs), das sind rund 908 g. Die Durchbiegung des Pfeilschaftes von der Horizontalen an der unterseitig tiefsten Stelle wird in 1/1000 Zoll gemessen und als statischer Spinewert bezeichnet (im Gegensatz zum dynamischen Spinewert) und je nach Schafttyp in die verwendete sporttechnische Einheit konvertiert. Je kleiner der Wert, desto steifer ist der Pfeil und desto gröĂer ist der konvertierte Wert in Pfund fĂŒr die traditionelle Angabe, welche sich auf die ZugstĂ€rke des Bogens bezieht (AMO-Standard Messmethode, auch als ATA-Standard zu finden, siehe Archery Trade Association).
Beim proprietĂ€ren ASTM-Standard der Firma Easton (auch als âEaston-Standardâ zu finden) betrĂ€gt die StĂŒtzweite der Auflager 28 Zoll und das Gewicht hat dabei 1,94 Pfund (880 g).
AMO Spine
S p i n e A M O = D u r c h b i e g u n g [ 1 1000 âł ] {\displaystyle {Spine}_{AMO}={Durchbiegung}\left[{\tfrac {1}{1000}}''\right]\quad } bei 26âł StĂŒtzweite, 2 lbs mittige Belastung.
ASTM Spine
S p i n e A S T M = D u r c h b i e g u n g [ 1 1000 âł ] {\displaystyle {Spine}_{ASTM}={Durchbiegung}\left[{\tfrac {1}{1000}}''\right]\quad } bei 28âł StĂŒtzweite, 1,94 lbs mittige Belastung.
Umrechnung Durchbiegung
S p i n e A M O = 0,825 â
â
S p i n e A S T M {\displaystyle {Spine}_{AMO}=0{,}825\cdot {Spine}_{ASTM}}
Spine in Pfund Zuggewicht
S p i n e [ l b s , # # ] = 26 âł â
â
1000 S p i n e A M O = 26 âł â
â
1000 0,825 â
â
S p i n e A S T M {\displaystyle {\begin{aligned}{Spine}\ \left[{lbs},{\#}\right]&={\frac {26''\cdot 1000}{{Spine}_{AMO}}}={\frac {26''\cdot 1000}{0{,}825\cdot {Spine}_{ASTM}}}\end{aligned}}}
Zur Messung des Spines kommt ein Spinetester zur Anwendung.
FĂŒr HolzschĂ€fte wird ĂŒblicherweise AMO-Standard gemessen und angegeben. HolzschĂ€fte werden entweder in Gruppensortierung von 5 lbs geliefert (41â45 #, 46â50 # u. a.) oder gegen Aufpreis pro Schaft mit einer angegebenen Genauigkeit âhandgespinedâ, beispielsweise auf ±1 lbs genau. Bei handgespineten SchĂ€ften ist meist der Spinewert auf jedem Schaft handschriftlich vermerkt, z. B. 50#, sprich âFĂŒnfziger Spineâ oder âSpine fĂŒnfzigâ.
Die folgende Tabelle erleichtert die Umrechnung zwischen AMO-Standard und Spine in Pfund (nach der Formel: AMO-Spine = 26000 / Zugkraft des Bogens).
| AMO-Spine in 1/1000 Zoll | Spine in Pfund |
|---|---|
| 1300 | 20 |
| 1040 | 25 |
| 867 | 30 |
| 743 | 35 |
| 650 | 40 |
| 578 | 45 |
| 520 | 50 |
| 473 | 55 |
| 433 | 60 |
| 400 | 65 |
| 371 | 70 |
| 347 | 75 |
Generell gilt, je stĂ€rker der Bogen, je lĂ€nger der Pfeil oder Auszug und je schwerer die Pfeilspitze, desto steifer muss der passende Pfeilschaft sein. Allerdings haben moderne Bögen in der Regel ein âSchussfensterâ, eine Aussparung im Bogenkörper. Diese ermöglicht eine der Bogenmittelachse nĂ€here Auflage des Pfeils, wodurch die erforderliche Amplitude der Pfeilbiegung bei der Windung um den Bogenkörper herabgesetzt wird. Einige Bögen besitzen auch einen Aufbau, der eine zentrierte Lage des Pfeils in der Auswurfebene der Bogensehne ermöglicht, wodurch der Pfeil in gerader Linie abgeschossen wird â das âHerumwindenâ um den Bogenkörper entfĂ€llt.
Ist der Pfeil zu weich, kann er beim Lösen splitternd brechen und schwerste Verletzungen vor allem der Bogenhand, teilweise im Gesichts- und Halsbereich verursachen.cite-ref-3[3]
Cresting
Das Verzieren und die Bemalung des Pfeilschaftes zur individuellen Kennzeichnung mit Lack wird als âcrestingâ bezeichnet. Der Pfeil wird verschönert, unverwechselbarer und durch die auffallenden Farben gut sichtbar. Um den zeitraubenden Arbeitsvorgang zu beschleunigen, kam man auf die Idee, bedruckte Folien zu verwenden, die sogenannten âarrowwrapsâ.
Arrowwraps
Unter dieser Bezeichnung wird eine bedruckte Hochleistungsfolie angeboten, die um den Pfeilschaft zur Verbesserung der Eigenschaften geklebt werden kann. Die Wetter- und UV-Festigkeit der Folie inkl. dem Farbaufdruck wird mit mindestens 7 Jahre bei stĂ€ndigem AuĂeneinsatz bei allen Bedingungen zwischen â45 und +95 °C angegeben. Die Folie ist etwa 3/100 mm stark und an ihre Haftung werden hohe Anforderungen gestellt. Die Klebeverbindung des âwrapsâ kann durch Tauchen in kochendes Wasser gelöst werden.
Spitze
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Hauptartikel
:
Pfeilspitze
Die Pfeilspitze besteht im Allgemeinen aus Metall. Aus prĂ€historischer Zeit sind aber auch Spitzen aus Feuerstein, Schiefer und Knochen bekannt. Prinzipiell kann man auch den hölzernen Schaft anspitzen und im Feuer hĂ€rten, aber da sich solche Pfeile schlecht erhalten, weiĂ man nichts ĂŒber die tatsĂ€chliche prĂ€historische Verwendung zugespitzter Pfeile.
Die Spitze kann entweder als HĂŒlse auf einen konisch geformten Schaft aufgesetzt werden, oder ein Dorn an der Spitze wird in eine Bohrung bzw. Kerbe im Schaft gesetzt. Die Spitzen werden durch Kleben oder Aufschrauben befestigt. Mittelalterliche Spitzen waren oft zusĂ€tzlich mit einer Garnwicklung gesichert.
Heutige Spitzen fĂŒr den Sport sind meist einfache, gedrehte Metallspitzen, die als HĂŒlse aufgesetzt werden und die darauf ausgelegt sind, die Ziele so wenig wie möglich zu beschĂ€digen und das Ziehen des Pfeiles zu erleichtern. Moderne Jagdspitzen haben entweder zusĂ€tzlich ein Blatt mit geschĂ€rften Schneiden (âbroadheadâ) oder stumpfe, ausgedehnte Spitzen (âbluntsâ), um das Wild zu betĂ€uben.
Vor allem zu Kriegszwecken gab es frĂŒher zahlreiche weitere Spitzenformen. Typisch war die Ahl-Spitze (engl.: âbodkinâ-Spitze), welche durch ihre lange schmale Keilform in die vernieteten Ringe des Kettenhemdes eindringen und sie so aufsprengen konnte. Zudem war sie sehr einfach zu schmieden. Die Spitze eines Brandpfeils hatte direkt hinter der eigentlichen Spitze einen metallenen KĂ€fig, in dem brennbares Material angebracht werden konnte, so dass die Hitze direkt auf das Ziel wirkte, den Schaft aber nicht vorzeitig beschĂ€digte. Zum gezielten Töten von Pferden, die seltener als ihre Reiter durch eine RĂŒstung geschĂŒtzt waren, verwendete man besonders breite Pfeilspitzen.
Paulos von Aigina aus der Schule von Alexandrien schrieb im 6. Jh. eine Abhandlung ĂŒber Pfeilverwundungen. Dabei unterschied er verschiedene Formen von Pfeilspitzen. So gab es Pfeile, die mit Widerhaken versehen waren, die gegen die Schussrichtung ausgerichtet sind. Sie erschweren oder verhindern das Herausziehen (Extraktion âper expulsionemâ) und er riet, sie wenn möglich hindurchzustoĂen und auf der anderen Seite herauszuziehen (Extraktion âper impulsionemâ).cite-ref-sudhues-4-0[4] Es gab auch Widerhaken mit Ausrichtung in Schussrichtung. Diese konnte man nicht hindurchstoĂen, aber herausziehen. Ferner gab es Spitzen, deren Widerhaken sowohl mit als auch gegen die Schussrichtung ausgerichtet waren und deren Form an einen Blitz erinnerte. Solche Spitzen erschwerten beide Arten der Entfernung. Er beschrieb auch Pfeile, deren Widerhaken Gelenke haben und sich erst beim Herausziehen spreizen. AuĂerdem beschrieb er, dass einige Pfeilspitzen mittels eines Dornes, andere mittels einer kleinen Röhre am Schaft befestigt sind. Aulus Cornelius Celsus beschreibt den âLöffel des Dioclesâ als ein chirurgisches Instrument, um bei sonst nicht entfernbaren Pfeilspitzen die Widerhaken abzudecken oder abzubrechen.cite-ref-5[5] Konnte der Pfeil nicht per Ziehen oder DurchdrĂŒcken entfernt werden, weil beispielsweise die Spitze fest im Knochen steckte, kamen verschiedene, auf Wunde und Pfeilschaft aufgetragene âLösungsmittelâ zum Einsatz, um den Schaft oder die Verbindung von Spitze und Schaft aufzuweichen. Der Schaft wurde gezogen, die Spitze verblieb im Körper. Oft bestand diese Methode lediglich aus einem absichtlich feuchten Verband der Wunde, um durch Nekrotisierung des Gewebes entlang des Schaftes und erhöhte Wundsekretion denselben Effekt zu erzielen. Der Pfeil oder Schaft sollte ĂŒber Tage oder Wochen aus dem Körper herausfaulen. Die meisten derart Pfeilverwundeten ĂŒberlebten diese Behandlungsmethode nicht.cite-ref-sudhues-4-1[4]
Die heute so genannten âSehnenschneiderâ waren Spitzen, die in ein breites Blatt ausliefen, das nach vorne offen halbmondförmig endete und dessen vordere Seite als Schneide geschliffen war. Der tatsĂ€chliche Kriegseinsatz solcher Spitzen ist unklar. Insbesondere, ob diese tatsĂ€chlich gegen Seile eingesetzt wurden, ist umstritten. Moderne Versuche ergaben allerdings ein enormes Verletzungspotential bei Weichteiltreffern.cite-ref-sudhues-4-2[4] Denkbar ist auch der Einsatz bei der Jagd.
Vergiftete Pfeilspitzen waren historisch einerseits zur Jagd vorgesehen, zum Beispiel um im unwegsamen UrwaldgelĂ€nde eine Flucht der Beute zu verhindern oder mit schwachen Bögen auch groĂe Beute zu erlegen. Andererseits wurden sie zu Kriegszwecken genutzt, um die Wirkung nicht unmittelbar tödlicher Treffer zu erhöhen. In Europa und Japan war der Einsatz von Giftpfeilen jedoch als âunritterlichâ verpönt (was den gelegentlichen Einsatz nicht ausschloss). Als Gift dienten in SĂŒdamerika zum Beispiel Curare und das Hautsekret von Pfeilgiftfröschen, in Europa zum Beispiel Extrakte des Eisenhuts. Das im HundertjĂ€hrigen Krieg in Frankreich aufkommende GerĂŒcht, die EnglĂ€nder wĂŒrden ihre Pfeile vergiften, lĂ€sst sich u. U. darauf zurĂŒckfĂŒhren, dass die englischen SchĂŒtzen ihre Pfeile zur Bereitschaft fĂŒr schnelles SchieĂen vor sich in den Boden steckten, wodurch z. B. Sporen von Wundstarrkrampf- und Gasbranderregern in die verursachten Wunden gelangen konnten.cite-ref-6[6] Der medizinische Fachbereich der Toxikologie hat seinen Ursprung in der Behandlung vergifteter Pfeilwunden und der Erforschung von Pfeilgiften. Griechisch: Toxikon stammt von Toxon (ÏÏÎŸÎżÎœ âPfeilâ) und bedeutet âpfeilerischâ.cite-ref-sudhues-4-3[4]
Im Sportbereich, insbesondere beim Roven, also dem BogenschieĂen auf GegenstĂ€nde in der freien Natur, werden heutzutage auch stumpfe Spitzen, also Judopoints oder Gummiblunts verwendet. Ungespitzte Pfeile bleiben meist nicht in HolzstĂŒmpfen stecken und vergraben sich bei FehlschĂŒssen nicht so tief in die Erde, so dass sie leichter wieder auffindbar sind.
Befiederung
Im Laufe der Geschichte wurden fĂŒr Pfeile die unterschiedlichsten Befiederungen verwendet, wobei mittelalterliche BogenschĂŒtzen GĂ€nsefedern bevorzugten. Die Befiederung dient im Wesentlichen dazu, den aerodynamischen Druckpunkt weit genug hinter den Schwerpunkt zu legen. Nur dadurch kann der Pfeil stabil der Flugparabel folgen. Wenn die Federn schrĂ€g zur LĂ€ngsachse des Pfeils angebracht werden, rotiert er. Bei bestimmten Pfeilformen kann dies die Flugbahn stabilisieren.
An historischen Pfeilen wurden 2â4 Federn gefunden, an modernen âFlu-Fluâ-Pfeilen (fĂŒr kurze Distanzen) kommen auch 6 Federn zum Einsatz.
Heute werden (abgesehen von selbstgefundenen oder gerupften Federn von GÀnsen, Möwen oder KrÀhen) im Allgemeinen drei Arten von Federn eingesetzt:
Truthahnfeder
Eine solche gibt es in verschiedenen LĂ€ngen (3 bis 5,5 Zoll oder volle LĂ€nge), Formen (Parabol, Schild, DoppelParabol, DoppelSchild u. a.) und Farben (natur, signalgelb), die hauptsĂ€chlich beim Traditionellen BogenschieĂen und Feldturnieren oder 3D-Turnieren benutzt werden (3D-Turniere: Es wird mit Pfeil und Bogen auf dreidimensionale Ziele, meist Tierattrappen oder Fantasiegeschöpfe, aus Kunststoff geschossen). Federn voller LĂ€nge werden von Hand oder mittels einer Federstanze in eine gewĂŒnschte Form geschnitten oder unbeschnitten damit ein Flu-Flu Pfeil befiedert.
Es gibt links- und rechtsgewundene Federn, eine Bezeichnung fĂŒr die natĂŒrliche KrĂŒmmungsrichtung einer Feder, je nachdem ob sie vom rechten oder linken FlĂŒgel des Vogels stammt. Ein SchĂŒtze verwendet fĂŒr einen Satz Pfeile (ein Dutzend oder ein halbes Dutzend) ĂŒblicherweise ausschlieĂlich Federn einer bestimmten Richtung. Die Windungsrichtung der Feder erzeugt die Rotationsrichtung des Pfeiles im Flug. Durch Rotation gewinnt der Pfeil mit seinem Drehimpuls ein zusĂ€tzlich flugstabilisierendes TrĂ€gheitsmoment gegen Krafteinwirkungen senkrecht zur Flugbahn. Dadurch wird zusĂ€tzlich die transversale Schwingung des Schaftes schneller gedĂ€mpft. Um eine stĂ€rkere Rotation zu erzeugen, werden die Federn oft leicht schrĂ€g, im Prinzip einer Schiffsschraube, angebracht. Weil das Erzeugen und Aufrechterhalten der Rotation Energie benötigt, geht diese Rotationsenergie von der Bewegungsenergie des Pfeiles in Flugrichtung verloren â je stĂ€rker die Rotation, desto stabiler der Flug, desto langsamer der Pfeil.
NatĂŒrliche Federn haben den Nachteil, dass sie sich bei NĂ€sse vollsaugen und am Schaft anliegen. Daraus folgt eine schlechtere Stabilisierung des Pfeils. Dem kann mit diversen kĂ€uflichen Mitteln laut Hersteller entgegengewirkt werden. So gibt es Pulver oder Sprays zur ImprĂ€gnierung. Der groĂe Vorteil von Naturfedern bei Turnieren im GelĂ€nde ist folgender: Falls die Befiederung eines Pfeils ein Hindernis, zum Beispiel einen Baumast, streift, wird der Pfeil nicht so stark wie ein kunststoffbefiederter abgelenkt. Der gleiche Vorteil kommt auch beim Abschuss zur Geltung. Wenn der Pfeil den Bogen verlĂ€sst, streifen die Federn je nach Schussweise das Bogenfenster, die Auflage oder den HandrĂŒcken. Echte Federn richten sich dann innerhalb von wenigen Millisekunden auf und stabilisieren den Pfeilflug optimal. Bei gleicher FederflĂ€che sind Naturfedern leichter als andere Befiederungsmaterialien.
Adlerfeder
Im KyĆ«dĆ gelten Adlerfedern als die beste QualitĂ€t, da sie auch einem Aufprall der Feder auf Stein widerstehen. Aus GrĂŒnden des Artenschutzes sind Adlerfedern sehr teuer, ein einziger Pfeil kann mehrere hundert Euro kosten. Zu Trainingszwecken werden heute auch hier meist Truthahnfedern verwendet.
Die Befiederung an Kyudo-Pfeilen ist lĂ€nger als an europĂ€ischen Pfeilen und gerade angebracht. Die Rotation des Pfeils wird Ă€hnlich wie beim Auftrieb von Flugzeugen durch das âTragflĂ€chenâ-Profil der Feder erzeugt. Es wird pro Durchgang jeweils ein Pfeil mit rechten (âHayaâ) und ein Pfeil mit linken Federn (âOtoyaâ) verschossen, dies wird historisch gerne damit begrĂŒndet, dass der zweite Pfeil (bei einem MeisterschĂŒtzen) durch die geringfĂŒgig anderen Flugeigenschaften den ersten Pfeil nicht auf die Nocke trifft und damit zerstört. In der Praxis wird man allerdings aus praktischen GrĂŒnden beide Schwingen des Adlers genutzt haben.
Kunststofffeder
Ist die am weitesten verbreitete Federart, die es in verschiedenen LĂ€ngen und Steifigkeiten gibt. Die sportliche Elite benutzt fĂŒr lange Distanzen (im Freien bis 90 Meter) sogenannte Spin Wings. Sie sind ebenfalls aus Kunststoff und sind parallel zur Pfeilachse eingedreht, sodass sie sich noch schneller drehen.
FOB-Vanes
FĂŒr Pfeile von Compound-Bögen gibt es mit FOB (âFletching Only Betterâ) eine Befiederung, deren Form sich an Mantelpropeller anlehnt. Dabei handelt es sich um einen dreiflĂŒgliger Propeller mit einem Ă€uĂeren Ring, der als Plastikteil auf den Pfeilschaft gesteckt wird. Der Propeller treibt im Flug eine schnelle Drehung des Pfeils an. In FOB-Befiederung ist meist eine Turbo-Nock integriert.
Flu-Flu Befiederung
Ein Flu-Flu-Pfeil bezeichnet einen Pfeil fĂŒr einen Bogen, der speziell fĂŒr kurze Distanzen gestaltet ist. Damit eignet er sich u. a. besonders bei SchĂŒssen auf fliegende oder hoch liegende Ziele, beispielsweise auf BĂ€umen. Der Flu-Flu fliegt nicht weit und ist deshalb bei Verfehlen des Zieles â auch wegen seiner auffĂ€lligen Befiederung â leichter wieder zu finden.
Ein Flu-Flu-Pfeil wird so gestaltet, dass er nach kurzer Flugzeit einen relativ hohen Luftwiderstand besitzt. Anfangs, direkt nach dem Verlassen des Bogens legen sich die Federn an, nach kurzer Flugdauer richten sie sich auf, durch die dann ĂŒbergroĂe FlĂ€che bremst der Pfeil plötzlich stark ab und fĂ€llt teilweise fast senkrecht vom Himmel. Dies wird durch eine spezielle Befiederung erreicht. Mögliche Techniken sind hierbei eine spiralförmige Wicklung einer oder zweier Federn voller LĂ€nge um den Schaft, ohne Höhenbeschneidung der Fahne â das Aussehen des Pfeiles erinnert an eine KlobĂŒrste â oder das Anbringen besonders groĂer oder buschiger Federn oder die Verwendung von vier bis sechs Federn anstelle der ĂŒblichen drei.
Nock
Um zu gewÀhrleisten, dass der Pfeil sicher auf der Bogensehne sitzt, besitzt das hintere Pfeilende eine Nock. Diese ist so eng, dass der Pfeil von selbst auf der Sehne hÀlt, aber noch so locker, dass der Pfeil sich beim Abschuss leicht löst, ohne gebremst zu werden.
Selfnock
UrsprĂŒnglich bestand die Nock aus einem in das Schaftende eingesĂ€gten oder eingeschliffenen Schlitz. Dieser muss senkrecht zum Querschnittsverlauf der Holzmaserung eingeformt sein, um zu verhindern, dass sich der Schaft durch den Druck der Sehne spaltet. Zur zusĂ€tzlichen StabilitĂ€t kann unterhalb der Nock hinter der Befiederung eine Umfangswicklung aus einem Garn angebracht werden. Um die Nock weiter zu verstĂ€rken, wird teilweise ein Inlay aus einem harten Holz, Horn oder Knochen eingeklebt, in das dann der Nockschlitz gesĂ€gt wird. Zum SĂ€gen oder Einschleifen der Nock gibt es heute Spezialwerkzeuge.
Aufgeklebte Nock
Die modernen Pfeile besitzen eine Nock aus Kunststoff, die auf den Schaft aufgesteckt und eingeklebt wird. Zur Verwendung kommen verschiedene Klebstoffe, zum Beispiel Sekundenkleber, Zweikomponentenkleber oder HeiĂkleber. Kann die Nock nicht auf einen vorhandenen Konus geklebt werden, findet bei Pfeilschaftröhren ein âinsertâ-Adapter Verwendung, der zur Abgrenzung von Inserts fĂŒr schraubbare Pfeilspitzen hĂ€ufig als âBushingâ bezeichnet wird. Oft wird die Nock auch nur aufgesteckt und eventuell mit etwas Garn an den individuellen Schaft angepasst, um spĂ€ter ein problemloses Austauschen oder Drehen der Nock zu ermöglichen. FĂŒr HolzschĂ€fte gibt es spezielle Spitzer, um am Schaftende den passenden Konus zum Innenkonus der Klebenock zu formen. Analog zum Selfnock wird beim Holzschaft der Schlitz der Nock senkrecht zum Verlauf der Querschnittsmaserung ausgerichtet.
Turbo-Nock
Bisherige Nock waren mit einem axialen Ausschnitt bzw. Schlitz versehen. Diese Neuerung besitzt den gleichen Ausschnitt, jedoch ist dieser mit einem Drall versehen. Nach dem Abschuss wird der Pfeil durch diesen neuen âNockdrallâ beim Verlassen der Bogensehne in eine Drehbewegung gebracht, welche zwischen 4.000 und 9.000 Umdrehungen pro Minute erreichen kann. Dabei geht die der Rotation zugefĂŒhrte Rotationsenergie von der Bewegungsenergie des Pfeiles in Flugrichtung verloren, der Pfeil fliegt stabiler, ist jedoch langsamer als ohne oder mit weniger Rotation. Die Turbo-Nock kann einzeln oder auch in einem Guss mit sehr kurzen (Plastik-)Federn hergestellt werden. Dies wird auf die (Carbon-)Pfeilschaftröhre aufgesteckt und eingeklebt.
Leucht-Nock
Damit der Flug des Pfeils aus Sicht des SchĂŒtzen auch bei wenig Licht gut verfolgt, angeschossenes Wild oder ein abhandengekommener Pfeil leichter wiedergefunden werden kann, gibt es Nock, die mit Farb-LED und (Lithium-)Batterie ausgestattet sind. Bei einer Bauweise (Lumenokcite-ref-7[7]) wird die kleine langzylindrische Batterie mit koaxialem Stiftkontakt voran und einem O-Ring in der GehĂ€userille drehend von vorne in die Nock gesteckt. Diese wird in das Rohrende des Pfeils gesteckt und ein kleines StĂŒck wieder herausgezogen, um das Licht auszuschalten. Beim Abschuss wird sie unter dem Sehnendruck wieder hineingeschoben. Dadurch schlieĂt sich der Stromkreis und die LED leuchtet.
Die Physik des Pfeils
Kinetische Energie
Kinetische Energie in Zusammenhang mit dem Gebrauch von Pfeil und Bogen ist ein Standardbegriff der Bogensportindustrie.
Die physikalischen Grundlagen und ZusammenhÀnge sind wie folgt:cite-ref-8[8]
âą Kinetische Energie ist ein MaĂ den Energieinhalt eines bewegten Objektes zu beschreiben.
âą Die kinetische Energie eines Objektes, welches mit einem anderen Objekt kollidiert, sagt aus wie hart ein Aufschlag sein kann.
âą Die kinetische Energie kann dazu benutzt werden, die Effizienz des Bogens anzuzeigen.
âą Mit zunehmender Pfeilmasse steigt die Energieausbeute (Effizienz) des Bogens an.
Moment und Impuls
Das Moment ist ein MaĂ fĂŒr den vorwĂ€rts gerichteten Impuls, beziehungsweise dessen vorwĂ€rts gerichteten Kraftvektor.
p â â = m â
â
v â â {\displaystyle {\vec {p}}=m\cdot {\vec {v}}}
Das Moment als physikalischer Faktor, kann innerhalb einiger Randbedingungen fĂŒr die Ableitung der PenetrationsfĂ€higkeit eines Pfeils herangezogen werden. So penetriert von zwei identisch gebauten Pfeilen, die sich mit der gleichen Geschwindigkeit bewegen, derjenige besser weiches Gewebe, welcher die gröĂere Masse hat. Wenn alle weiteren Randbedingungen wie Jagdspitze, Gewichtsverteilung, Angriffswinkel usw. gleich sind, ist das Moment eines Jagdpfeils proportional zur Gewebepenetration.
Wie ein Pfeil gebaut ist, bestimmt damit mit welchen Wirkungsgrad der Pfeil den Kraftvektor, der ihm im Flug zur VerfĂŒgung steht, zur Penetration nutzen kann. Das bedeutet, je schwerer ein Pfeil ist, desto lĂ€nger behĂ€lt er sein Moment und er kann daher tiefer, zum Beispiel im Gewebe, penetrieren.cite-ref-4-10-1[10]
Reibung
Die Reibung spielt bei der Pfeilpenetration eine entscheidende Rolle. Die AnlageflĂ€che der Pfeilkomponenten und die Silhouette, Broadhead, Schaft und Befiederung, die ein Pfeil durch seine Bauart bietet, sorgt fĂŒr einen sehr hohen Anteil an Reibung im Medium. Beim Pfeilflug und der Penetration eines Körpers wird je nach Medium, welches der Pfeil durchfliegt (Luft, Gewebe, Knochen etc.) auch in den Reibungsarten gewechselt.
Die Widerstandskraft F W {\displaystyle F_{\mathrm {W} }} ist proportional zum Produkt aus c W {\displaystyle c_{\mathrm {W} }} -Wert und BezugsflÀche, welches als WiderstandsflÀche bezeichnet wird.
Man erhÀlt die Widerstandskraft aus
F W = c W A 1 2 Ï Ï v 2 {\displaystyle F_{\mathrm {W} }=c_{\mathrm {W} }\,A\,{\frac {1}{2}}\,\rho v^{2}}
Wesentlich ist es zu wissen, dass mit einer Verdoppelung der Geschwindigkeit eines Pfeils, sich die Reibung und damit der Widerstand vervierfacht. Das bedeutet, dass der schnellere leichtere Pfeil, daher auch bei der Penetration einen erheblich höheren Widerstand und damit eine deutlich gröĂere Bremswirkung erfĂ€hrt, als ein schwerer und langsamerer Pfeil gleicher Bauart.cite-ref-11[11]
Abschuss- und Einschlagparadoxon
Dem BogenschĂŒtzen ist das Abschussparadoxon des Pfeils ein wohl bekanntes PhĂ€nomen.cite-ref-12[12] Es beschreibt das verbiegen des Pfeils, basierend auf dem Knicken nach Euler (Fall 2) des Pfeilschaftes bei der initialen Beschleunigung durch den Bogen. Dieses erste Knicken versetzt den Pfeil in eine Oszillation die ĂŒber eine weite Strecke der Flugbahn anhĂ€lt. Dieses PhĂ€nomen wirkt sich unter UmstĂ€nden auf die Flugeigenschaften des Pfeils aus. Besonders ist beim Verwenden von feststehenden Jagdspitzen darauf zu achten. Hier kann der Auftrieb den die FlĂ€che der Jagdspitze erzeugt zu Flugbahnabweichungen fĂŒhren. Daher muss bezogen auf das Zuggewicht und das Pfeilspitzengewicht, ein Pfeilschaft mit angepasstem Spinewert verwendet werden und mittels Spine- und Nockausrichtung ein optimaler Pfeilflug eingestellt werden.
Weniger bekannt ist das Einschlagparadoxon des Pfeils. Das Einschlagparadoxon beschreibt das verbiegen des Pfeils beim Auftreffen auf einem widerstandsfĂ€higen Ziel, wie beispielsweise Knochen. Es beschreibt den Beginn des Knickens des Pfeils im Moment des Einschlages nach Euler (Fall 1). Verursacht wird das Knicken des Pfeilschaftes beim Auftreffen durch jene Kraft, welche durch die Bremswirkung des Ziels auf den Pfeil ausgeĂŒbt wird. Je mehr Widerstand das Ziel dem Pfeil entgegensetzt z. B. Knochentreffer, desto mehr Kraft wird genutzt, um den Pfeil zu verbiegen.
Je mehr sich die Masse des Pfeils hin zur Spitze konzentriert, desto weniger Energie wird fĂŒr das Verbiegen des Pfeils verbraucht. Damit steht mehr Energie fĂŒr die Penetration des Pfeils zur VerfĂŒgung. Sowohl das Abschuss- als auch das Einschlagparadoxon verbrauchen die gespeicherte kinetische Energie im Pfeil und gehen zulasten von Geschwindigkeit als auch der PenetrationsfĂ€higkeit.
Siehe auch
Literatur
âą Bruno Fridrikhovich Adler: Der nordasiatische Pfeil, Ein Beitrag zur Kenntnis der Anthropogeographie des asiatischen Nordens, Volumes 13-14, Diss., E. J. Brill, Leipzig 1901.
⹠Charles E. Grayson u. a.: Bogen, Pfeile, Köcher. Die Charles E. Grayson Sammlung. Verlag Angelika Hörnig, Ludwigshafen 2010, ISBN 978-3-938921-17-3.
âą Volkmar HĂŒbschmann (Hrsg.): BogenschieĂen â AusrĂŒstung und Zubehör selbst gemacht. 2. Auflage, Verlag Angelika Hörnig, Ludwigshafen 2007, ISBN 978-3-938921-03-6.
âą Hubert Sudhues: Wundballistik bei Pfeilverletzungen. Dissertation. Mit umfassender EinfĂŒhrung in die Grundlagen des BogenschieĂens. Institut fĂŒr Rechtsmedizin, WestfĂ€lische Wilhelms-UniversitĂ€t MĂŒnster, 2004.
Weblinks
Commons
: Pfeile
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Daniel Yononindo: Ultrazeitlupenvideo - Archers Paradox. Verschiedene Spine-Werte bis zum Pfeilbruch. Video (2:54 Min.). In: youtube.com. Abgerufen am 16. August 2016.
âą Archers Multitool. Diverse Rechner und Umrechner (Spine, Front of center, fps â km/h u. a.). Abgerufen am 16. August 2016.
âą Herstellung eines Pfeils mit Steinspitze. (Memento vom 1. Januar 2009 im Internet Archive) Video.
âą Anleitung zum Bau eines vierfedrigen Flu-Flu-Pfeiles (englisch) (Memento vom 22. Januar 2013 im Webarchiv archive.today)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 697.
cite-note-22. â Ăltester Pfeil der Menschheit kommt aus Ahrensburg, auf ln-online.de
cite-note-33. â Foto: Verletzung Bogenhand (rechts), beim Lösen gebrochener Carbonpfeil. In: www.pirate4x4.com, Foto: Verletzung Bogenhand (links), beim Lösen gebrochener Carbonpfeil. In: discussions.texasbowhunter.com. Abgerufen am 15. August 2016.
cite-note-sudhues-44. â Hubert Sudhues: Wundballistik bei Pfeilverletzungen. Dissertation. Institut fĂŒr Rechtsmedizin, WestfĂ€lische Wilhelms-UniversitĂ€t MĂŒnster, 2004. (PDF 2,7 MB). Abgerufen am 15. August 2016.
cite-note-55. â Löffel des Diocles, bei Medicus-Romanus.de (Memento vom 12. November 2011 im Internet Archive)
cite-note-66. â G. Embleton, J. Howe: Söldnerleben im Mittelalter. Motorbuch Verlag, ISBN 3-613-02678-3.
cite-note-77. â http://www.lumenok.net/ Lumenok, Burt Coyote, Lighted Arrow Nock, abgerufen am 20. August 2012
cite-note-88. â Are there any benefits of using a heavy arrow? Abgerufen am 11. Mai 2021 (deutsch).
cite-note-99. â Ed Ashby: Arrow Lethality Study Update â 2005 Part V. (PDF) In: Ashby Foundation. Ashby Foundation, 2005, abgerufen am 7. Mai 2021 (englisch).
cite-note-4-1010. â Ed Ashby: Momentum, Kinetic Energy, and Arrow Penetration (And What They Mean for the Bowhunter). (PDF) In: Ashby Foundation. Ashby Foundation, 2005, abgerufen am 7. Mai 2021 (englisch).
cite-note-1111. â Testing Arrow Speed and Speed Retention Downrange with Lab Radar - Grizzlystik Arrows. Abgerufen am 11. Mai 2021 (deutsch).
cite-note-1212. â Was das Archerâs Paradox wirklich ist - und was es nicht ist! 2. Januar 2020, abgerufen am 3. Februar 2022 (deutsch).